Nawang Wulan - Un-archiving traces from Java
Nawang Wulan ist ein Tanzstück, das einen javanischen Mythos verkörpert und zugleich auf den Spuren von Verbindung und Resonanz wandelt. Ausgangspunkt ist die Legende der Himmelsgöttin Nawang Wulan, die zwischen Himmel und Erde lebt – eine Figur des Übergangs, der Erinnerung und der Transformation.
In der Performance verschränken sich Elemente klassischer javanischer Tanzsprache mit zeitgenössischem Ausdruck, Stimme und Klang zu einer poetischen Reflexion über das Sichtbare und das Verborgene, über Körperwissen, Verlust und Erneuerung. Tanz wird hier zu einer Form des Geschichtenerzählens, in dem sich Mythos, Erinnerung und Jetzt begegnen.
Getanzt von Bianca Figl und Eva Schaller, entfaltet sich das Stück zwischen Ritual und Gegenwart, zwischen dem Flüchtigen einer Geste und der Dauer einer Erinnerung. Die Musik, eigens für die Performance komponiert, verbindet Klanglandschaften aus javanisch beeinflussten Motiven zu einer vielschichtigen akustischen Ebene.
Das Stück ist Teil einer größeren künstlerischen Forschung zum Kontext javanischer Tanzpraktiken und ihren Nachwirkungen in europäischen Vorstellungen von Bewegung, Ritual und Ästhetik. Dabei wird eine spezifische historische Verbindung aufgegriffen: die zwischen javanischem Tanz und der Wiener Moderne – verkörpert durch den Puppenspieler Richard Teschner, dessen Beschäftigung mit dem javanischen Wayang Spuren in der visuellen und performativen Kultur Wiens durch sein Werk hinterlassen hat und Fragen nach ästhetischer Übersetzung, Aneignung und kolonialer Resonanz aufwirft.
Die Tänzerinnen begegnen sich in diesem Duett auf mehreren Ebenen, der Erzählung, und ihren Figuren, aber auch vor dem Hintergrund ihrer persönlichen Tanzsprachen und -erfahrungen. Durch ihre Bewegungen treten diese in einen lebendigen Dialog; sie spiegeln einander wieder, sie übertragen ihre Bewegungen. Im Austausch ihrer Gesten eröffnet sich ein Raum für Verbundenheit trotz Unterschiedlichkeit.
Das Stück versteht sich als eine Form des Un-archivings – eine Bewegung, die nachspürt, was bleibt, wenn das Ephemere ins Archiv übergeht, und fragt, wie der Körper auf diese eingeschriebenen Geschichten antwortet.
Bianca Mayasari Figl is a dancer, researcher, and PhD candidate in Arts Practice Research at the University of Limerick (IRL). Her research interweaves artistic practice, decolonial thought, and the concept of the body as an archive within the context of Indonesian dance forms. Through performance, film, and archival work, she explores dance as embodied knowledge and as a space for memory, transformation, and healing. Her research has been presented at Modes of Capture (University of Limerick), Figurentheaterfestival (Theatermuseum Vienna), and at Dance Resonance – Artistic Attunement in Motion hosted by University of Music and Performing Arts Vienna among many others. From 2012 to 2020, she has worked as a curator-educator at the Weltmuseum Wien. She collaborates with colleagues from different disciplines, lectures at the University of Vienna and is a visiting researcher at the University of the Arts, Surakarta (ISI Surakarta), Indonesia, where her interests lie in alternative methodologies, embodied epistemologies, and decolonial approaches to knowledge-making.
Figurentheatertage 2021 im Theatermuseum Wien